Saisonstart auf der Rennbahn
Nach einer wetterbedingten Verschiebung vorige Woche wurde letzten Freitag recht kurzfristig der Saisonstart für Samstag beschlossen. Bei der CGRF werden am Anfang der Rennsaison die Hunde im Wochenrhythmus wieder an die Bahn herangeführt. Bei aller Vorbereitung im Winter (einige Hunde wurden am Laufband trainiert, andere im Schnee, andere wiederum warten einfach auf den Frühling) ist der Wiedereinstieg auch eine erste Standortbestimmung.
Wie schwer ist der Hund wirklich? Wie schnell ist er und wie schnell sind die anderen? Zum Renneinstieg wird die Sprintdistanz (300 m) Solo absolviert, der schnellste Hund gewinnt – also ist das erste Rennen im Jahr gegen die Uhr zu laufen. Obwohl die Bahn am Montag noch unter einer eisigen Schneedecke versteckt war konnte sie für Samstag rennfertig bekommen werden – auch ein Vorteil einer Sandbahn (soferne man sie richtig bearbeitet) – eine Grasbahn würde die Belastung durch Hochleistungshunde bei dem aktuellen Wetter nicht aushalten.
Am Start waren 12 Hunde (8 Rüden, 4 Hündinnen) wobei 6 davon als Familienmitglieder im Haus leben und die anderen 6 hauptberufliche Trainer und Betreuer haben. Würde damit Geld verdient werden können dürfte man wohl von Profihaltung sprechen, da aber keine Geld erwirtschaftet wird ist es wohl angebracht von professioneller Rudelhaltung zu sprechen.
Es ist immer interessant auch die Ergebnisse der unterschiedlichen Herangehensweisen der Greyhoundhaltung zu beobachten, denn kaum ein Bereich in der Windhundewelt ist so vorurteilsbehaftet wie die “Industrie”. Ich persönlich habe gute und schlechte Haltung gesehen – ganz unabhängig davon, ob der Hund am Sofa oder im Kennel die meisste Zeit des Tages verbringt. Für mich entscheidend ist das Sozialverhalten der Hunde. Das verrät am besten wie gut es dem einzelnen Hund geht – und alle gestarteten Hunde waren wie Greyhounds sein sollen: abseits der Bahn liebevolle Spassmacher und auf der Bahn bedingunglose Hetzjäger.
Über die Winterpause sind manche Hunde auch optisch deutlich gealtert, aber ein paar graue Haare mehr um die Schnauze machen einen Hund nicht weniger schnell. und so muss als erstes Swift Cruise genannt werden. Der Rüde aus einem Irischen Kennel wurde am Wochenende 7 Jahre alt und läuft (ausserhalb der regulären Rennen als Tutor für heranzuführende Junghunde) immer noch fantastische Zeiten (19,0, nur eine halbe Sekunde langsamer als die schnellsten).
Cruise ist aus der Show-FCI-Sicht gesehen einer jener Hunde, die oft mild lächelnd abqualifiziert und als bedauerliche Kreaturen geldgeiler, hemmungsloser Tierquäler betrachtet werden. In Wahrheit zeigt er natürlich gerade im beginnenden Alter am besten, dass er für seine eigentliche Aufgabe, die schnelle Hetzjagd, hervorragend geeignet ist. Er ist deutlich kleiner als die bei uns anzutreffenden Rüden und zeigt einen Laufstil, der seinen Proportionen ideal entspricht – sonst könnte er nach so vielen Jahren nicht so gesund so schnell laufen. Die Rennhunde zeigen eine sehr große Bandbreite an Typen, viel breiter als jene der kleinen Showhundewelt. Es geht ja darum das Beste (also schnell und zuverlässig) aus einem Typ zu machen und nicht eine für den Greyhound atypische Bewegungsform – den Trab – spektakulär zu inszenieren.
Cruise ist einfach ein toller Hund der uns hoffentlich noch lange Freude beim Zusehen macht während er Freude beim Hetzen hat.
Auch die im letzten Jahr herangereiften Junghunde konnten zeigen wie sie durch den Winter gekommen sind. Sie haben die erfahrenen Hunde an Leistungsfähgkeit überholt und werden wohl in diesem Jahr oft die ersten Plätze einnehmen, wobei auch bei den Greyhounds Erfahrung im engen Feld durchaus von Vorteil ist. Bei den Rüden konnte sich Lemon Moet (gerade 2jährig, aus Irland) gegen den gleichalten Schweden Sjudrajet Dole knapp durchsetzen. Die beiden konnten den Seriensieger des Vorjahres White Elbony knapp bezwingen und dahinter reihten sich der wunderbare Flash CoCo, der 2,5 jährige Mellison Kewell und die beiden Altmeister Cato Elbony und Cayenn Elbony ein.
Bei den Hündinnen konnte sich die letztes Jahr sehr erfolgreich in ihre Rennkarriere gestartete Sjudrajet Lijane deutlich (eine halbe Sekunde) von ihrem Mitbewerb absetzen. Für mich sehr überraschend und erfreulich konnte meine Katatjuta’s Viola d’Amore knapp den 2. Platz vor Stormy Cassandra und der noch sehr jungen Newmac Dior einnehmen.
Violas Zeit waren mit 19,3 Sekunden eher langsam, was einerseits sicher an der Bahn und an der Winterpause, andererseits aber auch sicher ein wenig am Winterspeck lag. Viola lief erstmals mit 28 kg, das ist mind. 1 Kilo zu viel.
Die Hunde waren auch nach 19 Sekunden entsprechend geschafft – warum man einen Greyhound nach so einer Anstrengung unbedingt ein 2tes Mal am selben Tag rennen lassen muss (FCI-Regelment) wird mir immer mehr zum Rätsel. Ich freue mich sehr darüber, dass beinahe alle Hunde des letzen Jahres und ein paar neue dieses Jahr laufen werden. Der eigene Hund gibt so viele Rätsel auf die gelöst werden müssen – und da hilft die regelmässige, gründliche Beobachtung von den Mitläufern sehr. Wobei ich immer mehr glaube, dass rennen mit Rüden ein Hobby sein kann, rennen mit Hündinnen aber eine Wissenschaft ist.
Harry Martin



