Pull Shit
Immer wieder fällt mir auf, dass Irish Wolfhounds bei Coursings „am Hasen stehen“. Lilly gehört zu den schnellen IW’s ist aber sicher nicht die schnellste und selbst ihr gelingt es regelmässig, „Hasi“ auf freiem Feld zu fangen. Schon bei ihrem ersten Bewerb in Hünstetten holte sie sich „Spurrillen“ in den Krallen und der Pfotencheck nach dem Lauf ist bei uns besonders wichtig.
Inzwischen geht mein Adrenalin nicht mehr ganz so hoch, wenn Lilly wieder am „Hasen“ steht, meist geht es ja gut. Der Salto, den Lilly in Kralupy schlug und den ich erst zuhause am Video selber sehen konnte, brachte mich wieder einmal dazu, die FCI Coursingordnung genauer zu durchforsten, ob sich nicht doch ein kleiner Hinweis für den Hasenzieher darin finden liesse.
In case of non-conformity …
Da die englische Version bindend ist und ich ohnehin mein (Fach)englisch trainieren möchte, lese ich inzwischen immer zuerst in der englischen Version nach und zu obigem Thema fand folgendes unter § 3.1.5:
Da gibt es nicht viel misszuverstehen, möchte man meinen. Selbst Sprachanfängern sollte “in front of the dogs” leicht verständlich sein … Damit eines klar ist – mir ist vollkommen bewusst, dass die Hunde beim Coursing frei laufen und nicht so gut berechenbar sind. Wenn so ein „Hasen“-Kontakt ab und zu vorkommt, ist es akzeptabel. Inzwischen zählen aber andere Leute schon mit und berichten mir, wie oft Lilly in diesem oder jenem Lauf wieder Kontakt gehabt hätte. Auch BesitzerInnen von anderen schnellen Irish Wolfhounds beklagen sich immer wieder über Hasenzieher, denen wohl immer noch nicht bekannt ist, dass es auch Irish Wolfhounds gibt, die mehr können, als hinter „Hasi“ herhoppeln.
RichterInnen sind oberstes Organ der Veranstaltung.
Selbstverständlich haben auch die GestalterInnen des Parcours eine hohe Verantwortung. Bergab ein enges Zick-Zack-Muster zu stecken ist möglicherweise doch nicht die schlaueste Idee seit es Coursings gibt. Dazu kommt, dass die Bandbreite gerade bei den Irish Wolfhounds sehr gross ist. Manche BesitzerInnen bangen, dass der Hasenzieher ja recht knapp vor der Nase des eigenen Hundes zieht, damit der nicht „abreisst“, andere stellen die Nackenhaare auf, wenn „Hasi“ nicht und nicht in die Gänge kommen mag und sich schon die Startfahne senkt. Spätestens im zweiten Durchgang sollte das Feld dann aber so sortiert sein, dass ähnlich starke IW zusammen laufen. Vorausgesetzt natürlich, die RichterInnen beweisen gutes Auge für die tatsächliche Leistung der jeweiligen Hunde.
Die RichterInnen sind – nebenbei bemerkt – auch das oberste Organ der Coursingveranstaltung und ihnen obliegt es, dafür zu sorgen, dass das Reglement eingehalten und die Gesundheit der Hunde gewährleistet ist. Sieht ein/e RichterIn also, dass z.B. ein Parcours gefährliche Stellen hat oder der/die HasenzieherIn nicht optimal zieht, hat der/die RichterIn das Recht und sogar die Pflicht, korrigierend einzugreifen! (§ 3.1.1)
Was übrig bleibt …
Doch zurück zur Coursingordnung und dem, was ich einigermassen erstaunt in der deutschen Version vorfand:
„korrekt gezogen“ ist alles, was in der deutschen Übersetzung übrig bleibt! Was „korrekt“ ist, bleibt in diesem Falle der (schlechten) Phantasie überlassen! Ich sehe hier ein grosses Betätigungsfeld für die Coursingkommissionen! Gerade dieser Bereich unterscheidet sich doch grundlegend von Bahnläufen und erfordert eine gewisse Grundkenntnis des Sports. Sollte es aber unmöglich sein, die Übersetzungen korrekt durchzuführen, dann möge man sie bitte doch gleich komplett verschwinden lassen und nur mehr die englische Version führen! Dies könnte am Ende sogar noch dazu führen, dass nur mehr Leute mit Englischkenntnissen in den verantwortlichen Positionen sässen aktiv wären, was sogar noch die Verständigung über die Tellerränder Ländergrenzen hinaus vereinfachen würde!
Wie kann es zu solchen Übersetzungspannen kommen? Liest niemand die Reglements? Versteht man sie nicht? Oder ist es vielleicht sogar gewollt, dass im deutschsprachigen Raum derartige Ermessensspielräume aufgemacht werden in der stillen Hoffnung, dass niemand das Original liest?




>> Der Hasenzieher muss beachten, dass der Hase korrekt gezogen werden muss. < <
Das ist ja mehrfach tragisch formuliert - aber ganz typisch für die schlechte Qualität die dann als Basis für das Richten dient. Der Hasenzieher braucht nicht "beachten" dass etwas getan werden "muss" sondern:
--> Der Hasenzieher muss das Lockmittel mit ausreichend Abstand vor dem Hund ziehen. <–
weil: “korrekt” beinhaltet ja auch jemanden der entscheiden kann was nicht korrekt ist. die Formulierung “ausreichend” gibt aber dem Hasenzieher die Chance, auf jeden einzelnen Lauf einzugehen, ohne eine unnötige Verkomplizierung zu erzwingen (was eine Angabe nach Metern etc. bringen würde).
Der Satz danach ist ersatzlos zu streichen, da es sich um eine Nullaussage handelt. Hineinzuschreiben wären hingegen Bestimmungen, die den Richtern vorschreibt unterschiedliche Positionen am Gelände einzunehmen.