Die typische Greyhound-Verletzung
Jede Rasse hat wohl ihre typischen Verletzungen. Eine typische Greyhoundverletzung ist der Bruch des Sprunggelenks rechts hinten. In der amerikanischen Literatur spricht man von einem Verhältnis 30:1 = rechts : links. Natürlich stammen diese Zahlen aus dem Profirennbetrieb und auch die Häufigkeiten sind daraus abzuleiten.
Doch genauso wie Mischlinge krank werden können sich auch Amateurhunde verletzen. Am 31. März dieses Jahres hat es meine Hündin Viola erwischt. Die Ursache der Verletzung werden wir wohl nie genau herausfinden. Es war definitiv keine Rennverletzung und sie ist auch nicht beim Coursingtraining entstanden. Leider gibt es in der österreichischen Windhundeszene ein paar Idioten, die Gegenteiliges behaupten. Wahr ist: ich weiss nicht, warum es passiert ist. Es war ein Ermüdungsbruch der beim Freilauf geschehen ist – der Knochen muss aber schon vorher angegriffen worden sein, so dass eine halbschnelle Linkskurve ausgereicht hat – und AUTSCH!
Die Diagnose lautet: Grad IV-Trümmerfraktur des rechten Os tarsi centrale. Nach kurzem Check beim Haustierarzt wurden wir umgehen als Notfall in die Tierklinik Hollabrunn weitergeschickt. Dr. Schwarz hat nach kurzer Betrachtung des Röntgenbildes, das ganz klar die Fraktur zeigt, eine Computer-Tomographie vorgeschlagen.
Das Bild aus der CT zeigt den Bruch grün eingefärbt deutlich: innerhalb des Knochens liegt ein Bruchkanal versteckt. Ohne CT wäre nur das Röntenbild zur Diagnose zur Verfügung gestanden.
Da ja immer besonders erhaltend gearbeitet wird hätte es duchaus passieren können, dass die Schraube so angesetzt geworden wäre, dass sie die Knochenteile des hinteren Bruches auseinanderdrückt! Durch dieses – in diesem Fall äusserst sinnvoll angewendete – bildgebende Verfahren hatte der Chirurg die Möglichkeit, den Eingriff exakt zu planen und eben zwei Schrauben zu setzen.

Innerhalb des grün eingefärbten Bereiches ist der Bruch noch ganz gut zu erkennen. Die beiden um 90° gedrehten Bilder zeigen, wie die Schrauben gesetzt wurden. Die Operation erfolgte am Abend des 1. Aprils, am nächsten Vormittag konnte ich meinen Hund abholen.
Mittels eines dicken Polsters und einer angepassten Stütze war Viola 5 Wochen lang unterwegs – mehr oder weniger. Natürlich gab es kein Laufen und Spielen – aber einen Hund wochenlang von der Umwelt abschneiden geht auch nicht. So konnten wir nach dem ersten Verbandswechsel (nach 3 Tagen) schon kleine Ausflüge machen, damit wenigstens das Hundehirn etwas erleben konnte (Nasenfernsehen!), wenn schon der Hund selber eingeschränkt war.
Nach 10 Tagen wurden die Nähte gezogen. Die Wunde war von Anfang an sehr sauber, hat nicht genässt und auch sonst keine Probleme bereitet. Nach diesem 2. Verbandswechsel beim Tierarzt habe ich die Betreuung dann selber übernehmen können. Ja nach Witterung (“verdammt, nasser Verband“), und Qualität der Bandage hat der Verband immer zwischen einige Stunden und wenige Tage gehalten. Nach 15-20 Verbandswechseln bekommt man ein Gefühl dafür, was geht, was nicht und wo der Hund sich zurecht beschwert (sprich versucht zu demontieren) und wo er nur wehleidig ist.
Einige Tage musste mit Maulkorb gearbeitet werden, an anderen mit Gefrierbeuteln als Nässeschutz. Die dm-Märkte mit ihrer Eigenmarke “Das gesunde Plus” haben gemeinsam mit der Verbandsmarke “Peha-haft” (Hartmann) unseren Alltag bestimmt.
Beim ersten Kontrollröntgen bekammen wir die Bestätigung für unsere Arbeit:
Der im oberen Bild gezeigte Spalt ist verschwunden, das Knochengewebe hat sich nachgebildet. Schon beim Ausbinden hat sich Dr. Schwarz positiv über das Erscheinungsbild geäussert, das Bild bestätigt es. So wurden wir aus der klinischen Betreuung entlassen. Soferne keine Verschlechterung eintritt erfolgt das nächste Kontrollrönten Anfang August – dann wird entschieden, wann die Schrauben entfernt werden.
Für uns folgt nun jene Phase der Rehabilitation, in der wir wieder mit dem Hund – und nicht am Hund – arbeiten. Viola hat schon beim Weg aus dem Röntengraum heraus versucht aufzufussen. Sie ist natürlich noch sehr unsicher, es bessert sich aber von Tag zu Tag. Zur Unterstützung haben wir uns in Behandlung am Unterwasserlaufband bei der Fachtierärtzin Dr. Koller begeben. Dort wird Viola gerade an das Unterwasserlaufband gewöhnt. Das Wasser trägt einen Teil des Körpergewichts und so kann sich das Bein schneller regenerieren.

In den nächsten Wochen stehen 3 Termine pro Woche, später dann 2 pro Woche am Plan. Am Anfang dürfen wir ausserdem 15 Minuten täglich langsam spazierengehen… es ist ein langer Weg. Aber jeder Tag ist Violatag! Und um sich ein Zitat von T. Bubendorfer auszuborgen (dem Extremkletterer): Der Weg ist der Weg. Natürlich wollen wir ankommen, sicher will ich meinen Hund wieder laufen sehen – aber Augen zu und durch ist nicht das richtige.
Solche Dinge passieren. Klar ist der Hundehalter immer Mitschuld – auf der anderen Seite ist zu Tode gefürchtet auch gestorben. Mein Leben mit dem Hund schaut jetzt eben so aus.
P.S.: Solche Verletzungen sind vielleicht typisch für den Greyhound – aber nicht exklusiv. Und eine gute medizinische Betreuung hat sich auch der wildeste Mischling verdient. Vielleicht können meine Erfahrungen ja irgendjemandem bei seinen Entscheidungen helfen. Dazu schreibe ich sie hier auf.
