Coursing in Hünstetten 2009.

Das erste Coursing nach Erwerb der Lizenz mit Lilly führte uns nach Deutschland, genauer nach Hünstetten. Wir kennen Windhundfreunde und Bahn und verknüpften den Ausflug so mit weiteren Aktivitäten. In Österreich wird gerne über die verkürzten Strecken für Irish Wolfhounds gewitzelt, wir wollten das ganze mal aus nächster Nähe betrachten.

Die Begrüssung und Organisation war – wie schon gewohnt – gut und freundlich. Wir bekamen einen Zeltplatz in der Mitte der Bahn zugewiesen und stellten als erstes mal unser Zelt auf. Einziges Hoppala – wir hatten mit Stromanschluss gerechnet, den gab es aber nur für Wohnwägen und Wohnmobile ausserhalb der Bahn. Glücklicherweise befindet sich aber immer auch stromfreie Beleuchtung im Campinggepäck. Durch den Zeltaufbau kamen wir etwas zu spät in die Kantine, wurden aber trotzdem noch mit warmer Küche bewirtet.

Eine Teilnehmerin vom Samstag begrüsste uns mit den Worten “Blutcoursing”. Der Kurs sei sehr eng gesteckt und es hätte viele Verletzungen gegeben. Vor allem bei den “Coursinggreys” sei die Ausfallsrate sehr hoch gewesen, und es sei nicht lustig, am Weg zum Start über Blut zu gehen … Nicht sehr aufbauend, diese Begrüssung. Doch mit einem Irish hatte ich eine “langsame Rasse” und ich beschloss, mir das am nächsten Tag in Ruhe anzusehen.

Am Sonntagmorgen war die Organisation das erstemal etwas “unsortiert”, was aber um die Tageszeit und nach einem sehr langen und arbeitsreichen Samstag verzeihlich war. Die Irish Wolfhounds wurden vor die Deerhounds an erste Stelle gereiht und mit der Laufzusammenstellung gab es Unklarheiten. Durch nicht anwesende Hunde und Nachmeldungen nach Katalogschluss war unklar, wie die anwesenden 6 Irish zusammengestellt wurden. Also wussten wir auch nicht, welche Renndecken denn jetzt anzuziehen seien. Doch da sie “ohne uns ohnehin nicht starten konnten”, versuchten wir in Ruhe die nötigen Informationen zu bekommen, legten Decken und Maulis an und begannen, unsere Hunde aufzuwärmen.

Um an den Start zu gelangen, musste eine Schmalseite und die halbe Längsseite des Parcours umlaufen werden, während sich am Parcour Hunde und Menschen tummelten. Das wurde zur echten Herausforderung für uns, da Lilly, sobald sie “das Hasi” sieht, festfriert und kaum mehr weiter zu bewegen ist. Ich fragte also mal an, ob wir schon dran kämen, und erhielt ein nein. Also retour in den Sichtschutz und traben und massieren. Plötzlich hektisches Rufen nach uns – wir seien doch schon dran. Also Aufwärmen abgekürzt – wir müssen ohnehin noch bis zum Start. Ab dem Zeitpunkt, ab dem Lilly Sichtkontakt zum Parcour hatte, war aber locker traben nicht mehr möglich. Es war ein Zerren und Ziehen “weg vom Hasen” aber hin zum Start. Lilly hatte wenig Verständnis für diesen “Umweg” und so war auch ich sehr schnell sehr gut aufgewärmt.

Lilly hatte für den ersten Lauf Evoy, einen Rüden, zugeteilt bekommen. Am Anfang ging er Lilly’s Tempo noch gut mit, doch dann legte Lilly richtig los und stand – nach der zweiten Rolle – das erstemal am Hasen. Der Hasenzieher hatte sich wohl eher an Evoy orientiert. Er bekam den Hasen wieder los, Evoy konnte aufschliessen und die Jagd ging weiter. Bis Lilly ein zweitesmal am Hasen stand. Abermals kriegte der Hasenzieher den Hasen frei und so konnte bis ins Ziel fertig gelaufen werden. Da war Lilly dann in die Schnur eingewickelt …

Auf den ersten Blick sah ich keine Verletzungen und Lilly trabte sauber vom Feld. Also versäumte ich die anderen Irish Läufe wie gewohnt, während ich mit Lilly durch die angrenzenden Waldwege joggte, um sie abzugehen. Bei der Kantine kühlte ich noch ihre Pfoten, obwohl das wohl nicht notwendig war, da die Wiesen immer noch feucht vom Tau waren. Jetzt konnte ich die Pfoten genauer untersuchen und fand Kerben der Schnur an einigen Krallen. Glücklicherweise nichts, was bis ins Leben vorgedrungen wäre oder die Krallen zum Abbrechen gebracht hätte.

Eine Stunde nach dem ersten Lauf gingen wir, wie gefordert, zum tierärztlichen Check und die Tierärztin gab Lilly für den zweiten Durchgang frei. Überhaupt war der Tierarztcheck gründlich, es waren am Morgen sogar zwei Tierärzte da, um eine rasche Abwicklung der Kontrollen zu ermöglichen. All jene, die ihren zweiten Check vergessen hatten, wurden über Lautsprecher aufgerufen. Das FCI-Reglement empfiehlt, Hunde unter zwei Jahren und Hunde über sechs Jahre vor dem zweiten Durchgang abermals zu checken.

Da für dieses Coursing ausserordentlich viele Hunde gemeldet waren, dauerte es gute 5 Stunden, bis wir den zweiten Durchgang hatten. Genug Zeit also um zu entspannen und faulenzen. Bei den anderen Läufen zusehen war mit Lilly nicht möglich. Zu aufregend. Doch ich stellte später fest, dass sie ruhig beim Zelt liegen blieb, während ich am Gelände unterwegs war. So konnte ich einige Läufe des zweiten Durchgangs in Ruhe beobachten.

Die Mittagsverpflegung in der Kantine – diesmal war ich ja pünktlich – war hervorragend. Ich gönnte mir ein Grillsteak mit Salat, während Lilly mit einem “Sportlermenü” vorlieb nehmen musste.

Vor dem zweiten Durchgang war Zeit zum Aufwärmen und Massieren und dann wieder der “Ich-lass-mich-ziehen-Weg” zum Start. Den zweiten Durchgang bestritt Lilly mit Bounty, einer erfahrenen Coursinghündin, die gut abkürzte, während Lilly sehr exakt der Spur des Hasen folgte und jetzt so richtig Tempo machen konnte. Auch der Hasenzieher war diesmal ausgeschlafen und so konnten beide Hunde ohne Stehpausen auf dem Hasen durch laufen. Wir waren sehr zufrieden, durften auch kurz ins “Hasi” beissen und dann ging es wieder zum gewohnten Abgehen, während die anderen Irish und die folgenden Hunde liefen.

Doch noch ein paar Worte zu den verkürzten Strecken für deutsche Irish Wolfhounds: Die Hunde, die ich gesehen habe, hätten locker weiter laufen können und hätten wohl auch genug Animo gehabt, um weiter zu laufen. Und auf meine Nachfrage, was das denn nun bedeuten solle, erntete ich Kopfschütteln. Auch in Deutschland versteht man die Regelung nicht, findet sie sogar schlecht. Entweder, ein Irish läuft, oder er läuft nicht. Wenn er nicht läuft, läuft er auch keine 100m. So jedenfalls der Tenor. Nun liegt es also an den engagierten Sportleuten, diese Sonderregelung wieder zu kippen. Ich wünsche dafür einfach nur gutes Gelingen.

Am Ende des zweiten Durchgangs durfte ich einige Saluki-Läufe beobachten und mir stockte fast bei jedem Lauf der Atem! Ich staunte, dass nicht “mehr passierte”, da die schlauen und schnellen Hunde blitzschnell abkürzten und immer wieder mal in die Schnur liefen. Besonders der Zickzack-Kurs gleich zu Beginn des nun umgedrehten Parcours führte fast zwangsläufig zum Kreuzen der Schnur. So etwas hatte ich noch nicht gesehen – aber das mag nicht so viel heissen, ich war ja gerade erst bei meinem ersten Coursingbewerb. So viel hab ich also überhaupt noch nicht gesehen.

Nur die Ridgebacks in Tschechien vergangenen Herbst waren “ähnlich drauf”, da hatte der Hasenzieher aber das Abschneiden sehr schnell unterbunden, indem er den Hasen ablegte, bis die Hunde sich wieder auf den “Hasen” und nicht mehr auf die mögliche zukünftige Position des “Hasen” konzentrierten. Hier wurde aber durchgezogen, was die Maschine her gab.

Nach diesem Coursing gab es in Foren Diskussionen darüber, wie gut oder schlecht Parcours, Hasenzieher, Organisation denn gewesen wäre und dass die Verletzungsquote zu hoch gewesen sei. Für unsere “langsamen” Irish war es o.k. Doch das gesamte Gelände bot wenig Spielraum. Zwischen Maschine und dem Ziel war auch noch ein extrem langer Korridor aufgebaut, der das Feld auch noch in zwei Hälften teilte. Ob dieser Korridor technisch notwendig ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Bei anderen Maschinen wird der Hase oft bis kurz vor die Maschine gezogen. Ich gehe davon aus, dass die Hünstettener nach diesem Coursing eine ausführliche Manöverkritik hatten und die Erfahrungen dieses Jahres für das nächste Coursing umsetzen. Was man nicht vergessen darf, ist, dass der Verein ein Rennverein mit einer hervorragenden Sandbahn ist. Aus Österreich kenne ich Vereine, die sich ausschliesslich mit Coursing befassen und das Thema entsprechend perfektioniert haben.

Was ebenfalls nie zu vergessen ist: Jede/r HundebesitzerIn hat die Verantwortung für den eigenen Hund! Diese Verantwortung kann weder an RenntierärztInnen, noch an VeranstalterInnen abgegeben werden. Wem ein Parcour zu riskant erscheint, muss die Konsequenzen ziehen. Am besten vor dem Start.

=> Bericht, Bilder & Ergebnisse Windhund-Arena Hünstetten

Margot R. Dimi

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