Vereinsarbeit bezahlen – aber wie?

Wer bei einer Vereinssitzung war kennt die Sätze: “Das sollte man…, da müsste man…, hier könnte man…”. Wenn der Beschluss dann gefasst ist etwas zu tun geht es darum, wer man ist. Dann wird die Luft dünn und der Terminkalender voll und die Kinder und die Hunde haben genau an dem Tag Schule weil die Schwiegermutter keine Zeit hat…
Fakt ist: es ist bei allen Vereinen so, daß immer die (wenigen) selben die eigentliche Arbeit machen, während die anderen diese im besten Fall konsumieren, im schlechteren Fall mit Konjuktivsätzen produzieren. Manche Vereine, die die Möglichkeit dazu haben, betreiben also notgedrungen Outsourcing: d.h. irgendjemand wird für seinen Aufwand mit Geld entschädigt – sonst machts ja keiner. Das ist ein Produkt unserer pseudo-liberalisierten Ellenbogengsellschaft. Darüber zu jammern ist müssig – spannender ist es ein Modell zu finden, dass die Vereinsarbeit entlohnt und dabei einen fairen Ausgleich schafft: zwischen den Produzenten (den Arbeitern im Verein) und den Konsumenten (allen anderen).
Die Idee, Arbeit in Euro zu bezahlen mag auf der Hand liegen – greift aber zu Kurz. Spätestens bei der ersten Auszahlung wird die Neidgenossenschaft zu sudern beginnen und an der Rechtmässigkeit und dem Idealismus des Begünstigten zweifeln – das Gras wird nachgewachsen sein und die Hütte steht auch noch: also wofür bekommt der eigentlich das Geld?
Eine Lösung des Problems kann aus den wirtschaftlichen Problemzonen der Welt (Südamerika, Afrika) und experimentierfreudigen Regionen (Rheintal in Vorarlberg) importiert werden: Die Installation einer (virtuellen) Komplementärwährung. Überall boomen momentan Tauschkreise, die auch nichts anderes machen als das Problem der verteilten Arbeit im kleinen Kreis für sich zu bewältigen (hier ist meiner).
Wie kann das nun funktionieren?
1. Man erfindet eine Währung – ich nennen sie jetzt einmal Token (ein aus der Spielecke stammender Begriff). 1 Token hat den Wert von 1 Euro. Token gibt es nur am Papier, kann man also nicht angreifen und mitnehmen.
2. Token sind nur innerhalb des Vereines gültig, müssen dort aber überall akzepriert werden: am Buffet, für den Mitgliedsbeitrag, Trainingsgebühren…
3. Token entstehen, wo Arbeit geleistet wird. D.h. man einigt sich auf einen Stundensatz (also zB. 10 Token). Für 2 Stunden Rasen mähen werden also 20 Token dem Rasenmähermann auf seinem Kontoblatt gutgeschrieben. Dafür bekommt er das wohlverdiente Bier (-2 Token) und das Wurstsemmerl (-1,50) am Buffet. Auch der Mitgliedsbeitrag (90 Token) kann so bezahlt werden. Und die regelmässige Trainingsgebühr natürlich auch.
4. Ideal wäre es natürlich, wenn alle gleich viel arbeiten und konsumieren würden – und so das Kontoblatt von selber auf Null gehen würde. Das wird aber nicht passieren, denn es wird Fleissige und Faule geben. Damit das Konto aber nicht wächst und wir eine Bonusmeilenproblematik haben (schnell konsumieren, auch wenn du nichts brauchst!) wird einmal im Jahr ausgeglichen. D.h. bei der jährlichen Hauptversammlung wird entschieden, wie denn die 3 fleissigen Arbeiter für ihr Kontoplus entschädigt werden – und das kann dann natürlich auch in Euro sein.
5. In der nächsten Saison geht die Umverteilung wieder von vorne los. Durch den Schnitt am Ende des Jahres vermeidet man sowohl Reichtum als auch Inflation.
Der große Vorteil so eines System ist es, dass der Ausgleich zwischen den Vereinsmitgliedern über die Arbeitszeit erfolgt. Diese ist in unserem Modell gleich viel Wert, egal wer sie erbringt. Und damit unterscheidet sie sich von der Arbeitszeit im richtigen Euro-Leben gewaltig. Denn dort wird Arbeit sehr unterschiedlich bezahlt, je nach Qualifikation und Branche. Im Verein geht es aber nicht um Bereicherung sondern um Windhunde. Die Arbeit muss nur gemacht werden – es kann aber nicht sein, dass nur ein paar Dumme ihre Zeit den anderen aus reinem Idealismus schenken.
Die Zeiten der bedingungslosen Hingabe für eine Idee sind vorbei – die Menschen sind aber sehr wohl bereit, ihren Teil beizutragen damit etwas Tolles – wie z.B. eine Hunderennbahn – erhalten und betrieben werden kann. Niemand lässt sich gerne dafür auslachen dass er die Arbeit macht während andere nur reden – aber wer Geld nimmt kommt sofort unter den Verdacht, sich persönlich bereichern zu wollen.
Probiert es einfach aus! Schlechter als jetzt kann es bei vielen Vereinen auch nicht mehr funktionieren!
PS: es gibt eine grosse Community mit vielen gescheiten Leuten die sich seit Jahren mit alternativen Wirtschaftsformen auseinandersetzen. Wer mutig ist und Hilfe bei der Umsetzung braucht kann mich gerne um Kontaktadressen fragen.

Hi
na so schlecht ist diese Idee wirklich nicht! Bringt sogar viele Vorteile!
Wir hatten eine andere Art uns gegenseitig zu helfen! Mit dem Zwerghundeklub war immer ein sehr gutes Verhältnis, da wir menschlich mit vielen aus diesen Reihen sehr gut konnten!
Terrier wurden immer Samstag gerichtet, Zwerge am Sonntag und daher war es uns möglich die Teams in den Ringen jeweils so zu ergänzen, dass trotz Riesenschau und grosser Ringanzahl des Terrierklubs wie z.B. Welthundeschau oder Europaschau, immer genügend Mitarbeiter – mit kynologischem background, in den Ringen arbeiten konnte!
Hatte immer Super funktioniert!
lG Viktor
Auch hi,
zum einen: zusätzlich müssten diejenigen, die gar nix arbeiten, mehr für alles bezahlen, sei es nun Mitgliedsbeitrag, Buffet oder Trainings ….
zum anderen: die Vereine könnten ja auch zu Jahresanfang “Aktien” verkaufen …
lg Iris
@ iris:
bin ich dagegen. leistungen sollten immer gleich teuer für alle sein (wer bestimmt das sonst?). der unterschied liegt darin, dass der fleissige seine leistungen abarbeitet und der arbeitsscheue eher bezahlen muss – in euro zb.
die “aktien” sind ein bisserl kompliziert. was ich mir vorstellen könnte ist jedoch, dass jedes mitglied mit einem negativen kontostand (also zb in der höhe der 4 pflichstunden) startet und deswegen bestrebt ist, mit 0 rauszukommen. da kann er sich dann “freikaufen” oder eben arbeiten. der verein hat dann die arbeitsleistung oder aber das geld, im falle des falles die arbeiten zukaufen zu können.
harry