Zu Besuch bei Dracula

Die Reise

Das Aufregende mit dem Nutzlosen verbinden – ein Kick den mancher Windhundefreund auch auf Ausstellungen sucht und findet. Also haben wir uns ins Auto gesetzt (dh. ich sitze und Frau Hund pennt) und auf den Weg nach Rumänien gemacht. Ziel: Transylvanien, die Draculadogshow 09 und die Romanian Open dazu am nächsten Tag.

Routenplaner von Google und Michelin empfahlen den Weg über die ungarische M3, das Medion-Navi bevorzugte die M0 und die Route über die ungarischen Bundesstrassen. Das Navi bekam seine Chance auf der Heimreise und hat um etwa eine gute Stunde gewonnen. Die ungarische Vignette bucht der Hundefreund online vorab, dank Schengen rollt man über die Österreichisch-Ungarische Grenze einfach ohne Gesichtskontrolle. Wer – so wie ich – diese Grenze in seiner Kindheit als Böse erlebt hat kann einfach nicht emotionslos so eine Alltäglichkeit geniessen. So muss reisen sein.

gute Fahrt.

Irgendwann einmal überquert man dann die Grenze in das Land, dessen LWKs aufgrund ihres Fahrstiles und Geruches Lieblinge unserer Autobahnen sind – und plötzlich versteht man auch warum. Der wohl wichtigste Berufsstand an der Strasse ist der des “Vulcaniseurs”, also des Reifenschusters. Es gib auf meiner gefahrenen Strecke sicher mehr davon als Wirtshäuser. Und sie haben gut zu tun – die Kombination aus Hitze, schlechten Strassen und radikalem Fahrstil (sehr schnell, sehr langsam, sehr vorsichtig, sehr rumänisch) macht diese Fachkräfte auch sicher nicht so schnell arbeitslos.

Für die etwa 250 km von der Grenze bis nach Targu Mures brauchten wir über 4,5 Stunden – und ich war nicht feig bei den Bergaufralleys gegen die Muldenkipper – auf den wenigen Passagen mit 2 Fahrspuren. Viel später als erwartet habe ich dann das gebuchte Hotel gefunden und – die Zivilisation machts möglich – auch noch etwas zu Essen bekommen. Bitte ein Denkmal für den Erfinder des Pizzadienstes.

unser Hotelchef

Land und Leute

Das Hotel war gut gebucht, auf unsere Etage waren ChowChows und Spaniels mit Ungarn und Polen an der Leine. Drei Sterne (also 30 € pro Nacht) habe ich investiert. Ich denke ein guter Kompromiss. Es geht durchaus billiger aber auch teurer. Camping würde ich nur mit Wohnmobil empfehlen, das Ziehen von einem Wohnwagen stelle ich mir mühsam vor.

Die Rumänen die ich kennenlernen durfte waren ganz normale Ungarn, Italiener, Deutsche oder Österreicher. Also Europäer im besten Sinne: wer will kann etwas landestypisches finden, mir ist es nicht gelungen. Einige sehr nett, andere weniger. Einige sehr bescheiden, andere weniger. Man fährt Dacia. Viele den neuen Logan, viele noch den alten Renault-Lizenzbau. Dazwischen die unvermeidlichen Protzmobile – hauptsächlich an Tankstellen. Ein junger Mann hat seinem SUV vor mir eine Ladung von 20 RON verpasst, dafür bekam er keine 5 Liter Sprit mit denen er zu seiner Freundin fahren kann.

Überall wird geheiratet. Samstag und Sonntag waren bei jeder Kirche und in allen Hotels Hochzeitsgesellschaften gebucht. Rumänien liegt im Gründungsfieber, also werden auch eine Menge Familien gegründet. Die Bräute stöckeln dann artistisch zwischen den Dacias und Schlaglöchern zum geliehenen BMW und werden ins Glück gefahren, vorbei an den riesigen Plattenbauten hin zu einem schönen Fotomotiv wie zb. auch der Burg in Neustadt, wie Targu Mures auf deutsch heisst. Vielleicht ausnahmsweise keine so gute Idee, es wurde an allen Ecken und Enden renoviert. Eine Schöne Fotokulisse zu finden war nicht so einfach. Aber dafür waren viele Hunde dort, denn es war ja Draculadogshow.

Die Ausstellung / Organisation

Meldeschluss war der 28.8. (für die Show 6./7.9.). Da ja Gnä’Frau jederzeit läufig werden könnte habe ich erst am letzen Drücker gemeldet. Einfach eine Email mit pdf-Anhang geschickt und fertig. Die Bestätigung kam ein paar Stunden später.  Wer seine Veranstaltungshomepage in 7 Sprachen anbietet mailt auch.

Der Rahmen der Ausstellung auf der Burg braucht keinen Vergleich scheuen. Ein guter Ort. Die alten Bäume boten genug Schatten – es hatte an beiden Tagen über 30 Grad. Wasser und Toiletten vorbildlich und sauber. Das kulinarische Angebot gross, oft gegrillt und für unsere Verhältnisse ziemlich günstig. Alles bereit eben für zwei schöne Ausstellungstage.

Die Veranstaltung bestand aus 3 Shows: zuerst die Clubshows am Samstag Vormittag. In Rumänien gibt es noch keinen Windhundeclub, deswegen begann unsere erste Show erst um 16.00. Aber nicht auf den Zeitunterschied (1 Stunde) vergessen! Ich habe mir gemütlich die Nummer abgeholt und mich gewundert, dass sie bereits eine halbe Stunde zu früh zum Richten anfingen…dabei war es wie bei uns: eine halbe Stunde zu spät.

Die Ringe waren für Windhunde gross genug, leider mit einem katastrophalen Boden. Bei uns wird diskutiert ob der Boden zu rutschig ist oder das Licht schlecht ist oder die Farbe zum Fell des Hundes passt – bei dieser Show habe ich gelernt, dass auch Höhenunterschiede zu bewältigen sein müssen und der Hund auch geländegängig sein muss. Am zweiten Tag war es besonders schlimm: Gras, Staub und grober Schotter wechselten einander ab. Hier muss nachgebessert werden.

Die Richter waren wie bei grossen Veranstaltungen üblich international ausgewählt. In 13 Ringen wurden über 900 Hunde aus 20 Ländern von Richtern aus 8 Nationen gerichtet. Englisch wird vor allem von den jüngeren Menschen überall fliessend gesprochen. Auch der Polizist der mich ganz vorsorglich darauf hinweisen wollte das Navi nicht montiert zu lassen brachte ein paar Worte zusammen. Das Ringpersonal ohnehin, die Helfer am Sekretariat konnten zumindest für English und Französisch immer rasch jemanden bereitstellen. Ungarisch sowieso. Mit Deutsch kommt man auch ein wenig weiter, immerhin waren wir ja auch in Siebenbürgen – wo die Österreichische Monarchie ihre Spuren hinterlassen hat. (im Grenzland sind übrigens 2 sprachige Ortstafeln RO/HU üblich – mit gruss nach Kärnten)

Ehrenring

Die Veranstaltung ging gut über die Bühne. Das Programm im nett dekoriertem Ehrenring startete erst um 21 Uhr Ortszeit, bei stimmungsvollem Licht im Burghof eine wirklich nette Atmosphäre, mit Gedränge auf den Tribühnenplätzen. Für uns beinahe unvorstellbar: Besucher aus der Stadt die an einem Samstag Abend Hunde anschauen von denen sie vielleicht noch nie etwas gehört haben.

Plus

+: Es wurden keine Berichte verfasst. Die Richter beurteilten die Hunde und gaben ihr Ergebnis bekannt. Dafür ging es rasch und man konnte mit den Richtern auch einige Worte wechseln und seine Meinung er- oder hinterfragen.

+: das Niveau der Hunde. Besonders bei Doggen, Rottweilern und diversen Hütehunden, die ich zu wenig unterscheiden kann sind mir ausgesprochen tolle Hunde aufgefallen.

Minus

-: double-handling extrem. Bei Deutschem Schäferhund, Boxer und Rottweiler waren zu jedem Hund 1 bis 2 Helfer unterwegs die Quietschten, brüllten und Werweisswasnoch anstellten nur damit sich das Viecherl besonders gut zeigt. Lästig und störend.

-: kupierte Hunde. Gerade als Österreicher, wo es gerade mühsam gegen den eigentlichen Willen des Zuchtverbandes gelungen ist kupieren endlich zu verbannen darf ich es nicht verurteilen. Es ist anscheinend eine Frage der Zeit, bis sich auch dort rumsprechen wird dass Rute und Ohren nicht weggeschnitten werden sollten. Übrigens nicht mehr bei den Rottweilern, die wurden vollständig vorgeführt. Dafür besonders brutal bei den Boxern und manchen Doggenrassen.

-: Welpenhandel vor dem Eingang: hier hilft nur warten. Das ist ein kulturelles Problem, aber in einem Land mit hoher Strassenhunddichte ist die Tatsache, dass jemand Geld für einen Rassehund ausgibt, schon bemerkenswert. Ich denke man muss hier noch toleranter sei als zb. in Ungarn, die schon viel weiter sind oder gar bei uns, wo ja schon oft eingeschritten wird.

Fazit

Eine Erlebnisreise erster Klasse. Für uns noch dazu besonders schön, weil wir bei der Draculadgshow CACIB, BOB und damit die Crufts-Qualifikation gewonnen haben (unter Kelemen Atilla, RO) und bei den Romanien Open ebenfalls CACIB erreichten (unter Miklos Levente, HU) und Viola damit auch Rumänischer Champion ist.

Harry

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