IC – Der Inzuchtkoeffizient

Wer sich mit Rassehundezucht beschäftigt, stösst sehr schnell auf den Inzuchtkoeffizienten, den IC. Was das aber genau ist und wie sich das denn nun auswirken kann, darüber werden die Angaben mindestens ebenso schnell diffus bis widersprüchlich. Der Irish Wolfhound ist aufgrund seiner Geschichte (von Cpt. Graham vor rund 150 Jahren rekonstruiert, zwei Weltkriege, Wirtschaftskrise in Irland) eine stark ingezüchtete Rasse.

Eine Studie bei verschiedenen Hunderassen zeigt, dass die Lebenserwartung prinzipiell durch starke Inzucht sinkt, dass dieser Unterschied praktisch aber beim Irish Wolfhound nicht auftritt, da die Rasse gesamt zu stark ingezüchtet ist. Aus anderen Bereichen der Zucht weiss man über die negativen Folgen zu starker Inzucht längst Bescheid (Stichworte: Inzuchtdepression, Genpoolverengung).

Warum ich mich mit dem Thema Inzucht ganz besonders intensiv befasst habe und es immer noch tue, hat einen bestimmten Grund: Enya, unser erster Hund, stammt aus einer Inzestverpaarung (Mutter x Sohn), hat also einen IC von mindestens 25%.

Was sagen diese Prozentzahlen eigentlich aus?

Je höher der Inzuchtkoeffizient ist, desto “reinerbiger” sind die Hunde, das heisst, dass immer mehr Chromosomensätze zweimal vorhanden sind, und damit sicher weiter gegeben werden. Das gilt für die “erwünschten Gene” genauso wie für die “unerwünschten Gene”. Und da es – leider – nicht nur dominante Gene gibt, sondern auch rezessive, die oft mehrere Generationen “überspringen” können, ist Inzucht ein nicht ganz ungefährliches “Spiel”.

Gibt es die genetische Veranlagung für eine Eigenschaft, so heisst das, dass sie bei einem IC von 5% bei – statistisch! – 5 von 100 Welpen auftritt. Liegt der IC bei 25%, tritt sie bei 25 von 100 Welpen auf, also bei jedem vierten. Ist der IC bei 33%, betrifft es – statistisch – ein drittel der Welpen. Im positiven, wie im negativen.

Wer sich schon mal die Mühe gemacht hat, IW-Pedigrees bis in die 8. oder 10. Generation zu verfolgen, wird feststellen, dass “da hinten immer die selben Hunde auftauchen”. Es gab im Laufe der sehr jungen Geschichte des Irish Wolfhounds zwei Flaschenhälse, durch die der Genpool sehr eng geworden ist. Das ist heute nicht mehr zu ändern. Die Zuchtbücher sind geschlossen. Die Idee, die manche ZüchterInnen mehr oder weniger laut aussprechen, über den Deerhound (oder auch andere Rassen) frisches Blut zu zuführen, ist uns zur Zeit verwehrt. Zumindest offiziell und innerhalb der FCI-Zuchtbücher. Wenn die Zuchtbücher geschlossen sind, ist die Zufuhr von Fremdblut ausgeschlossen und der IC wird ganz automatisch kontinuierlich höher. Die Frage ist nur, wie schnell.

Mein Ziel ist es (unter anderem), den IC möglichst gering zu halten, wobei ich “möglichst gering” so definiere: Eine Halbgeschwisterverpaarung hat einen IC von 12,5% und dieser Wert ist für mich das oberste Limit. Idealwert liegt für mich beim halben Wert, also bei ca. 6%. (Jeweils auf 10 Generationen gerechnet;) Und wenn weniger möglich ist, ist es um so erfreulicher.

Sind das dann noch Irish Wolfhounds?

Der Vorteil des geschlossenen Zuchtbuches ist, dass ein Irish Wolfhound aus diesem Zuchtbuch verpaart mit einem anderen Irish Wolfhound aus demselben Zuchtbuch immer ein Irish Wolfhound ist. Sonst würde sich das Zuchtbuch ad absurdum führen …

Die eine Theorie sagt, dass man einen “Zwingertyp” nur durch enge Zucht erreichen kann. Inzucht würde die Reinerbigkeit und somit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Welpen eines Wurfes einander sehr ähnlich sehen.

Eine andere Theorie sagt, dass durch Inzucht neue Rassen entstanden sind, also genau das Gegenteil von “homogenen Würfen” passiert. In diese Theorie passt auch, dass z.B. Wölfe einander sehr ähnlich sehen, obwohl frei lebende Wölfe, die sich ihre GeschlechtspartnerInnen frei aussuchen können, Inzucht meist instinktiv vermeiden. Dazu passt, dass es Zwinger gibt, die mit Fremdzucht über die Auswahl nach Phänotypus genauso ihren Zwingertyp haben.

Wer Beweise sucht, wird für beide Theorien seine Indizien und Belege finden. Welche Theorie ist nun richtiger?

Wie auch immer, mir macht die Vorstellung, dass ein fremdgezüchteter Wurf “aufsplittet” und verschieden aussehende Welpen bringt jedenfalls keine Angst. Ich mag “bunte” Würfe, wo man Unterschiede zwischen den Welpen erkennt und sich so seinen persönlichen Liebling aussuchen kann. Denn Irish Wolfhounds sind sie – siehe weiter oben – alle. Mich persönlich irritieren oft eher jene Würfe, wo ein Welpe wie der andere aussieht …

Es scheint ein Trend der Zeit zu sein, dass alle Hunde gleich aussehen sollen/müssen. In früheren Zeiten, als die Hunde noch arbeiten mussten, wusste man, dass verschiedene Körpermerkmale verschiedene Stärken und Schwächen bergen und man hat den Hund entsprechend seiner besonderen Eignung eingesetzt. Der eine Hund ist einen Tick schneller, dafür ist der andere wendiger. Der eine läuft besser bergauf, der andere ist im flachen Gelände besser. Das hat nichts mit Wertung (gut oder schlecht) zu tun. Es sind einfach verschiedene Begabungen und alle sind wichtig. Da die meisten Hunde heute aber die “Aufgabe” Model für Ausstellungen haben, geht die Selektion in eine für mich bedenkliche Richtung.

Wieso hat ein Hund verschiedene ICs?

Ganz wichtig bei der Berechnung des IC´s ist es, die Anzahl der Generationen anzugeben. Auf eine Generation (Eltern) gerechnet, hat jeder Hund einen IC von 0%. Je mehr Generationen man berücksichtigt, desto höher wird der Wert. In den Papieren sind 3, manchmal 4 Generationen erfasst. Wieviele Generationen man in seine Berechnung einfliessen lässt, ist eine Sache der persönlichen Gewichtung verknüpft mit den Möglichkeiten. Drei Generationen sind jedoch immer völlig unzureichend.

Ein Beispiel:

In einem Pedigree, in dem 7 Generationen komplett erfasst sind, verhält sich der IC wie folgt:

  • 4 Generationen 1,56%
  • 5 Generationen 2,34%
  • 6 Generationen 2,69%
  • 7 Generationen 3,06%

Ich versuche, den IC für 10 Generationen zu errechnen, auf dieser Site wird jedoch angegeben sein, auf wie viele Generationen sich der IC bezieht. Sind es weniger als 10 Generationen, liegt es daran, dass ich 10 Generationen (noch) nicht komplett erfasst habe.

Und was ist nun der Ahnenverlustkoeffizient?

Gegenüberstellung IC und AK

Der IC ist kompliziert zu berechnen. Es gibt eine aufwändige Formel und ich bin sehr bald dazu übergegangen, ein Programm zu suchen, welches den IC für mich errechnet. Der Ahnenverlustkoeffizient ist einfach zu rechnen. Im Prinzip zählt man, wieviele verschiedene Hunde vorkommen. Dabei ist es egal, an welcher Stelle die Hunde stehen. Es mag sein, dass diese Berechnung für einen schnellen Überblick praktisch ist (weil einfach zu berechnen), mir greift dieser AK allerdings zu kurz. In der Graphik oben ist ein Beispiel, wo für zwei Pedigrees der AK identisch ist, der IC allerdings gewaltig differenziert!

Ist ein Hund mit hohem IC automatisch krank?

Nein. Der lebende Beweis dafür ist Enya. Ein Hund mit hohem IC ist in hohem Masse reinerbig. Allerdings in alle Richtungen. Auch in Richtungen, die wir möglicherweise noch gar nicht sehen. In der traditionellen britischen Zuchtphilosophie überprüfte man mit gezielten Inzestwürfen, ob und welche Krankheiten man in den eigenen Linien hatte. Kamen dabei unerwünschte Dinge zu Tage, zog man die entsprechenden Konsequenzen. Hielten die Linien diesem radikalen Test stand, züchtete man mit ihnen weiter.

Was heute jedoch gerne verschwiegen wird, ist, dass diese Methode ein Züchten mit grossen Mengen an Hunden bedeutete und das Töten “unerwünschter Ergebnisse” praktiziert wurde. Wer danach sucht, kann die entsprechenden Hinweise in der Literatur finden und ältere ZüchterInnen erzählen das im Vertrauen auch schon mal.

Mein Fazit:

Da ich eine absolute Hobbyzucht mit zwar ganz wenigen Würfen, jedoch auf Basis ganz besonderen umfassenden Wissens anstrebe, habe ich weder an “Experimenten” noch an “Testwürfen” Interesse. Sehr wohl jedoch am Niedrighalten des IC. Das “Risiko” einen nicht so homogenen Wurf zu haben, ist für mich keines. Ich möchte Irish Wolfhounds züchten und zu jedem einzelnen Hund stehen können. Sie sollen bei Ausstellungen mit vorne bestehen können, doch wer einen Ausstellungs-Champion haben möchte, ist bei mir mit grosser Wahrscheinlichkeit an der falschen Adresse. Wichtiger wird mir immer ein Irish Wolfhound sein, der sportlich ist, rennen und coursen kann und bei guter Gesundheit ein schönes Alter erreicht. Die Hunde sollen noch möglichst Nahe an ihrem ursprünglichen Zuchtziel sein (Cpt. Grahams Standard ist für mich massgeblich, der FCI-Standard baut wohl darauf auf, ist in manchen Bereichen allerdings grosszügiger, als Cpt. Graham das war.): Galoppierende Hetzhunde, eben Windhunde. Korrekte Hunde fern jeder Übertreibung, wie es eine befreundete Züchterin einer anderen Windhundrasse auf den Punkt bringt.

Margot R. Dimi
geschrieben für die Running Gag Zwingerseite

Ein Kommentar zu “IC – Der Inzuchtkoeffizient”

  1. Alphawhip 25 Mai 2008 at 06:11 #

    Guten Morgen,
    ich denke, der Grund dafür, daß es immer wieder (ja, man muß sie schon suchen, aber es gibt sie) gesunde IWs mit einem hohen IC gibt, liegt vermutlich in der Inzuchtresistenz:
    Zitat: Eine konsequente Reinzucht über viele Generationen gewährleistet eine erhöhte Inzuchtresistenz. (Noch in 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in dem biologischen Institut, in dem Dr. Klynstra gearbeitet hatte, weiße Mäuse gezüchtet. In den ersten 10 bis 15 Generationen gab es immer wieder Inzuchtschäden, die konsequent ausgemerzt wurden. Klynstra berichtete damals: “Wir sind jetzt in der 80. Generation. Seit 65 Generationen gibt es keine Inzuchtschäden mehr. Wenn aber eine fremde Maus wieder dazwischen kommt, geht das Ganze von vorne los.”

    Wie es ja auch konsequent bei Arabern in den Agyptischen Zuchten gemacht wird. Vermutlich war es dieses Wissen, das den Export von einzelnen Tieren früher völlig verboten hatte und weshalb heute bei Stuten aus den ägyptischen Gestüten darauf geachtet wird, daß auch im Ausland eng weitergezüchtet wird.
    lg Iris


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